Drei Fragen habe ich Gott immer stellen wollen. Die erste Frage betrifft meine Augen. Als ich 1965 in Japan zur Welt kam, diagnostizierten die Ärzte bei mir eine unbekannte Krankheit. Sie hat dazu geführt, dass meine Sehfähigkeit immer mehr abnahm. Mit 23 Jahre erblindete ich vollkommen. Das stürzte mich damals in tiefe Depression. „Warum muss das einem so jungen Menschen wie mir passieren“, fragte ich mich verzweifelt. Der Schicksalsschlag nahm mir für viele Jahre jeden Lebensmut.
Die zweite Frage zielt auf meine Ehe. Ich habe nach der Ausbildung lange Zeit für eine Telefongesellschaft gearbeitet. Als 35-Jährige erfuhr ich von einem Programm, dass Menschen mit körperlichen Einschränkungen die Möglichkeit eines Auslandsstudiums bietet. Ich nutzte diese Chance und ging 2001 nach Kanada. Dort lernte ich Thilo kennen, der ebenfalls blind ist. Seine Ernsthaftigkeit gefiel mir so gut, dass wir 2003 heirateten. Bald zeigte sich allerdings, dass wir uns aufgrund unserer unterschiedlichen Herkunftskulturen oft missverstehen.
Hinzu kommt, dass mein Mann meiner Meinung nach, das Geld zu unbekümmert ausgibt. Darüber kann ich mich vor allem seit der Geburt unser Sohnes Kurtis richtig aufregen. Wie oft habe ich schon zu Thilo gesagt: „Denkst Du eigentlich mal über die Zukunft Deiner Familie nach?“ Diese Missverständnisse und Streitereien haben dazu geführt, dass ich manchmal an eine Scheidung denke.
Die dritte Frage betrifft unseren Sohn. Mein Ehemann und ich waren zunächst sehr glücklich, als ich im Alter von 40 Jahren schwanger wurde. Der Junge kam gesund zur Welt und wir lieben ihn sehr. Aber einige Menschen in unserem Umfeld gaben uns deutlich zu verstehen, dass sie unser Verhalten für verantwortungslos halten: „Wie kann ein blindes Ehepaar ein Kind groß ziehen“, fragen sie. Das hat mich unsicher gemacht. Seither sorge ich mich, dass unser Sohn vielleicht unglücklich über seine Eltern ist. Auch ging mir das Wort Karma durch den Kopf. Waren meine Probleme vielleicht die leidvolle Folge meines Verhaltens in früheren Leben. Muss ich nun dafür büßen? Solche Gedanken quälten mich lange Zeit.
Dass ich heute trotz dieser drei großen Probleme wieder den blauen Himmel sehen kann, verdanke ich der Japanerin Mikiko Shelly. Ich lernte Mikiko, die wie ich einen Kanadier geheiratet hat, 2004 während meiner Schwangerschaft kennen. Sie konnte sich als Auslandsjapanerin, die in einem fremden Land Kinder zur Welt gebracht hatte, gut in meine Lage hineinversetzen. Sie kümmerte sich rührend um mich. Als erfahrene Mutter brachte sie mir so grundlegende Dinge wie das Wickeln eines Babys bei. Nach der Geburt sorgte sie dafür, dass ihre Freunde in der ersten Zeit Essen für uns kochten.
Ihre Fürsorge überraschte mich anfangs, doch fühle ich mich in ihrer Gegenwart sehr wohl. Mikiko erzählte mir, dass sie Happy Science praktiziert. Als ich später nachfragte, lieh sie mir CDs mit Vorträgen, die der Gründer der Gemeinschaft, Meister Ryuho Okawa, gehalten hat. Ich hörte sie mir ohne große Erwartungen an. Zu meiner Überraschung half mir Meister Okawas Philosophie des Lebens jedoch, meine Probleme in einem völlig neuen Licht zu sehen.
Tief berührt haben mich zum Beispiel einige Sätze in dem Vortrag „Tipps, um Glück zu finden“. Dort heißt es: „Menschliche Wesen werden tausende Male geboren. Jedes Mal wählen sie sich ihre Eltern, das Umfeld und ihren Körper aus. In was für Bedingungen wir auch immer leben, wir sind zu 100 Prozent gesunde Seelen, wenn wir in die andere Welt zurückkehren.“ Das half mir, meine Blindheit als Teil meines „geistigen Trainings“ zu akzeptieren. Der tiefe Groll im Grund meines Herzens löste sich völlig auf.
An die Stelle der Schuldgefühle gegenüber meinem Kind trat ein Gefühl großer Dankbarkeit, dass er sich uns als Eltern ausgesucht hatte. Ich will ihm von ganzem Herzen dabei helfen, dass er seine eigene Mission erfüllen kann. In dem Vortrag „Leben in einer Zeit des Lichts“ sagt Meister Okawa: „In dieser Hinsicht wird jeder mit den Problemen konfrontiert, die am besten für seine Seele geeignet sind. Vor was für Herausforderungen Du auch immer stehst, Du hast alle notwendige Kraft, sie zu bewältigen.“ Meine Aufgabe ist es, unter den gegebenen Umständen das Beste zu geben.
Damit waren allerdings die Probleme in der Beziehung zu meinem Ehemann noch nicht gelöst. Aus den Vorträgen wusste ich bereits, dass sich Seelen in der anderen Welt versprechen, auf der Erde Mann und Frau zu sein. Trotzdem fühle ich mich in der Gegenwart meines Mannes unwohl. Ich sprach darüber mit Mikiko. Sie riet mir: „Versuche einmal die Stärken deines Mannes zu sehen!“
Ich folgte ihr und fand vier Stück. „Nur vier Stärken hat mein Mann“, dachte ich und war so enttäuscht von ihm.
Als Mikiko das hörte, lachte sie und sagte: „Nur vier? Da muss es wesentlich mehr geben. Bete zu Deinem Schutzengel, dass er Dich die Dinge klarer sehen lässt.“
Ich setzte mich also am nächsten Tag hin und betete zu meinem Schutzengel. Als ich nun über die Stärken meines Mannes nachdachte, fiel mir eine gute Sache nach der anderen ein. Als ich den 20. Punkt aufschrieb, wurde mir auf einmal bewusst, wie sehr er mich liebte. Ich brach in Tränen aus. „Thilo ist so eine großartige Person. Warum habe ich dem bisher nie Aufmerksamkeit geschenkt?“
In mir erwachte eine Liebe, die noch wärmer und tiefer war als vor unserer Hochzeit. Am Abend berichtete ich meinem Mann, dass ich während der Meditation über seine guten Eigenschaften nachgedacht hatte und dass ich weinen musste, weil mir so viele Dinge aufgefallen waren. Ich sagte zu ihm: „,Ich bin so ein großer Narr gewesen, Deine Liebe nicht zu bemerken. Ich möchte so gerne Deine Frau sein. Ich liebe Dich von ganzem Herzen.“
Daraufhin brach mein Mann in Tränen aus. Mir wurde bewusst, wie sehr er unter unseren Streitereien gelitten hatte.
Ich sagte ihm: „Ich möchte mit Dir zusammen Happy Science studieren.“
Er nickte, während er ihm immer noch die Tränen die Wangen herabliefen. Im September 2008 versprachen wir als Familie Gott Verehrung.
Seither sind drei Jahre vergangen. Heute sagt mein Mann: „Ich wurde geboren, um der Wahrheit zu begegnen. Meine Aufgabe ist es, diese Lehren zu verbreiten.“ Dabei unterstütze ich Thilo mit aller Kraft. Ich habe selbst erlebt, wie sich Fehler und Probleme in kostbare Schätze verwandeln, wenn sie im Lichte der Wahrheit betrachtet werden. Das möchten mein Mann und ich mit so vielen Menschen wie nur möglich teilen.